Epilepsie und Mobilität

Bild: Epilepsie und Mobilität

Mobilität ist ein wichtiger Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft. Der Besitz des Führerscheins bedeutet viel Freiheit, Unabhängigkeit und ist oft auch notwendig, um zu seiner Arbeitsstelle zu kommen.

Darauf verzichten zu müssen, wird von vielen als belastend empfunden und kann auch zur sozialen Isolation führen. Die Freizeitaktivitäten sind eingeschränkt. Die Entwicklung von Depressionen kann dadurch begünstigt werden.

Ein epileptischer Anfall birgt ein sehr hohes Risiko, sich selbst, aber auch das Leben der anderen zugefährden. Selbst kurze Phasen von Unaufmerksamkeit, rasche willkürliche Bewegungen stellen ein massives Risiko dar, einen Unfall zu verursachen.

Wenn Sie den Führerschein neu erwerben wollen, sollten Sie die Fragen nach einer Epilepsie wahrheitsgemäß beantworten. In manchen Fällen wird anstelle der Epilepsie nur nach dem Vorliegen einer chronischen Erkrankung gefragt. Bedenken Sie bitte, dass die Epilepsie zur Gruppe der chronischen Erkrankungen gehört. Außerdem ist ein Attest Ihres Neurologen vorzulegen. Generell ist es von Vorteil, wenn Sie eine gute Dokumentation Ihres Krankheitsverlaufes vorweisen können (z.B. mit einem regelmäßigen und konsequent ausgefüllten Anfallskalender).

Haben Sie bereits einen Führerschein, sollten Sie sich bei Ihrem Arzt nach Ihrer Fahrtauglichkeit informieren. Das trifft auch zu, wenn Sie nach einer bestimmten Zeit der Anfallsfreiheit wieder einen Krampfanfall bekommen. Eine Meldepflicht durch Sie oder den Arzt an die Straßenverkehrsordnung gibt es nicht. Es liegt somit viel in Ihrer eigenen Verantwortung. Vielleicht ist es etwas aufmunternd für Sie, dass Sie nach einer gewissen Zeit ohne Anfälle wieder fahrtauglich sind, und es sich nur um ein zeitlich beschränktes Fahrverbot handelt.

Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung

Ob jemand mit Anfällen Autofahren darf oder nicht, wird nicht willkürlich festgelegt. Sie richten sich nach den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung, die von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) herausgegeben werden (aktuell verfügbare Version zum Zeitpunkt des Erstellens dieser Broschüre ist die 6. Auflage, 2000).

Die Richtlinien unterscheiden zwei Gruppen:

  • Gruppe 1: Motorrad und PKW; im Einzelnen: Führer von Fahrzeugen der Klassen A, A1, B, BE, M, L und T.
  • Gruppe 2: Lastkraftwagen und Fahrgastbeförderung; im Einzelnen: Führer von Fahrzeugen der Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E und Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung.

Nachfolgend finden Sie die Regelungen für die Gruppen 1 und 2:

Gruppe 1:

  • Bei einfachen fokalen Anfällen, die keine Bewusstseinsstörung und keine motorische, sensorische oder kognitive Behinderung für das Führen eines Fahrzeuges zur Folge haben und bei denen nach mindestens einjähriger Verlaufsbeobachtung keine relevante Ausdehnung der Anfallssymptomatik und kein Übergang zu komplex-fokalen oder generalisierten Anfällen erkennbar wurde, wird die Fahrerlaubnis erteilt.
  • Bei ausschließlich an den Schlaf gebundenen Anfällen bekommen Sie nach mindestens dreijähriger Beobachtungszeit die Fahrerlaubnis.
  • Nach einem einmaligen Anfall und nach einer Beobachtungszeit von 3 bis 6 Monaten gelten Sie als fahrtauglich, wenn der Anfall an bestimmte Bedingungen geknüpft war (Gelegenheitsanfall) – wie z.B. an Schlafentzug, Alkoholkonsum oder akute Erkrankungen (Fieber, Vergiftungen, akute Erkrankungen des Gehirns oder Stoffwechselstörungen) – und der Nachweis erbracht wurde, dass jene Bedingungen nicht mehr gegeben sind, erhalten Sie die Fahrerlaubnis. (Bei Gelegenheitsanfällen im Rahmen einer Alkoholabhängigkeit ist eine zusätzliche Begutachtung durch Fachärzte für Neurologie, Psychiatrie oder Rechtsmedizin erforderlich).
  • Nach einem einmaligen Anfall und nach einer Beobachtungszeit von 3 bis 6 Monaten gelten Sie als fahrtauglich, wenn die neurologische Abklärung weder Hinweise auf eine ursächliche morphologische Läsion noch auf eine beginnende idiopathische Epilepsie ergeben hat.
  • Wenn der Betroffene ein Jahr anfallsfrei geblieben ist und kein wesentliches Risiko für weitere Anfälle besteht. Bei langjährig bestehenden, bislang therapieresistenten Epilepsien beträgt die erforderliche anfallsfreie Zeit 2 Jahre.
  • Nach Anfällen, die nur kurze Zeit (etwa 2 Wochen) nach Hirnoperationen oder Hirnverletzungen aufgetreten sind, nach einem anfallsfreien Intervall von einem halben Jahr.
  • Gleichzeitig bestehende weitere körperliche oder psychische Krankheiten und Störungen bzw. Besonderheiten sind bei der Begutachtung mit zu berücksichtigen, ggf. durch Hinzuziehung weiterer, für die jeweilige Fragestellung zuständige Fachärzte mit verkehrsmedizinischer Qualifikation.
  • Bei Beendigung einer antiepileptischen Therapie (Ausschleichen) mit Absetzen der Antiepileptika ist den Betroffenen für die Dauer der Reduzierung und des Absetzens des letzten Arzneimittels sowie die ersten 3 Monate danach zu raten, wegen des erhöhten Risikos eines Anfallsrezidivs kein Kraftfahrzeug zu führen.
  • Ausnahmen sind in gut begründeten Fällen möglich (lange Anfallsfreiheit, insgesamt wenige Anfälle, Epilepsie-Syndrom mit niedrigem Rezidivrisiko, erfolgreiche epilepsiechirurgische Behandlung).
  • Im Falle eines Anfallsrezidivs genügt in der Regel eine Fahrunterbrechung von 6 Monaten, wenn vorher die vorgeschriebene anfallsfreie Frist eingehalten wurde.
  • Bei Fahrerlaubnisinhabern oder Fahrerlaubnisbewerbern, die dauernd mit Antiepileptika behandelt werden müssen, dürfen keine Intoxikationen oder andere unerwünschte zentralnervöse Nebenwirkungen erkennbar sein.
  • Es dürfen keine die erforderliche Leistungsfähigkeit ausschließenden hirnorganischen Veränderungen vorliegen.

Gruppe 2:

Die Voraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 bleibt nach mehr als 2 epileptischen Anfällen in der Regel ausgeschlossen. Als Ausnahme gilt eine durch ärztliche Kontrolle nachgewiesene 5-jährige Anfallsfreiheit ohne antiepileptische Behandlung.

Für die Gruppen 1 und 2 gelten:

Bei Fahrerlaubnisinhabern beider Gruppen sind Kontrolluntersuchungen in Abständen von 1, 2 und 4 Jahren erforderlich. Mit zunehmender Dauer der Anfallsfreiheit verlieren EEG-Befunde an Bedeutung.
(inhaltlich entnommen aus Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung, 6. Auflage; 2000, Kapitel 3; Abschnitt 3.9.6)

Diese Richtlinien gelten nur für die Bundesrepublik Deutschland und weichen z.T. erheblich von denen anderer Länder ab. In einigen Ländern besteht ein generelles Fahrverbot für Personen mit Epilepsie. Bindend für das Führen eines Pkws sind die Richtlinien des jeweiligen Landes.

Weltweite Regelungen für das Führen eines Kraftfahrzeugs

In nachstehender Tabelle finden Sie die weltweiten Regelungen für das Führen eines Kraftfahrzeugs (entnommen aus Ooi und Gutrecht, 2000, Journal Travel Med; 7: 1-4: alphabetische Sortierung). Erkundigen Sie sich bitte auch bei dem jeweiligen Konsulat und/oder der Botschaft.

Ständiges Fahrverbot 24 Monate Fahrverbot 12 Monate Fahrverbot Fahrverbot abhängig vom Anfallstyp
Bulgarien
China
Estland
Ghana
Indien
Japan
Korea
Mexiko*
Pakistan
Portugal
Ruanda
Singapur
Taiwan
Türkei
Usbekistan
Zentralafrika
Ägypten
Andorra
Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Frankreich
Griechenland
Irland
Island
Israel
Italien
Luxemburg
Malaysia
Norwegen
Schweden
Slowenien
Spanien
Süd-Afrika
Australien*
Bermudas
Brasilien
Deutschland*
Groß Britannien
Israel*
Kanada
Malta
Neuseeland
Niederlande
Pakistan
Rumänien
Saudi-Arabien
Schweiz
Senegal
Uruguay
Zypern
Ägypten
Australien
Dänemark
Deutschland
Dominikanische
Republik
Frankreich
Griechenland
Groß Britannien
Island
Israel
Kanada
Kroatien
Malta
Neuseeland
Niederlande
Nikaragua
Österreich
Polen
Schweden
Schweiz
Slowenien
Sri Lanka
Urugay
Zypern

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