Die Behandlung der Epilepsie

Der Neurologe und andere Ärzte behandeln die Epilepsie

Diagnose Epilepsie: Wie geht es danach weiter?

Nach dem ersten Anfall kann, nach mehreren Anfällen sollte eine Therapie begonnen werden. Sie sollte dann alsbald eingeleitet werden. Medikamente und andere Therapieformen zur Behandlung einer Epilepsie sind weniger erfolgreich, wenn Anfälle und ihre Folgeerscheinungen schon länger bestehen. Wird keine Therapie begonnen, steigt das Risiko einer Gefährdung. Eine Ausnahme davon sind sehr seltene Anfälle (weniger als 2 Anfälle) pro Jahr. Hier wird Ihr Arzt den Nutzen gegen die Risiken einer Therapie abwägen.

Behandlung der Epilepsie mit speziellen Medikamenten

Die häufigste Behandlungsmethode ist die Therapie mit Medikamenten, den Antiepileptika. Heute sind über 20 verschiedene Antiepileptika auf dem Markt, die alle unterschiedliche Vorteile und Nebenwirkungen haben.

Bild: Tabletten

Eine Gruppe von Medikamenten sind die Antikonvulsiva. Sie können nicht die Ursache der Epilepsie bekämpfen. Jedoch reduzieren sie die Überregbarkeit der Nervenzellen und erniedrigen damit die Anfallsbereitschaft. Sie sind eine Art „Anfallsblocker“.

Welches Medikament verordnet wird, entscheidet man individuell für jeden Patienten. So spielen die Art und die Häufigkeit der Anfälle eine wichtige Rolle, daneben das Alter des Patienten, weitere Erkrankungen und Medikationen, oder bei Frauen, ob die Frau mit einer hohen Wahrscheinlichkeit schwanger werden möchte.

Bei den meisten Epileptikern lässt sich mit einem einzigen optimal dosierten Medikament Anfallsfreiheit erreichen. Die Kombination von Medikamenten verstärkt meist Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Appetitlosigkeit, so dass möglichst eine Monotherapie – ein einziges Medikament – verordnet wird. Werden Anfälle durch eine Monotherapie nicht wirksam kontrolliert, kann eine Kombinationstherapie (mehrere Medikamente werden eingenommen) aber angebracht sein.

Epilepsie-Patienten müssen beachten, dass Epilepsiemedikamente möglicherweise schädliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Daher sollten Epileptiker ihrem behandelnden Arzt, so z.B. auch dem Zahnarzt, mitteilen, welche Medikamente sie nehmen. Es ist für den Patienten leichter, den Überblick zu behalten, wenn über die Medikamenteneinnahme Buch geführt wird. So kann ein Behandlungskalender, in dem alle Medikamente notiert werden, hilfreich sein. Frauen müssen außerdem beachten, dass einige Antiepileptika die Wirksamkeit oraler Empfängnisverhütungsmittel beeinträchtigen können und sollten darüber mit ihrem Arzt sprechen.

Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?

Darüber gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Es gibt Ärzte, die ihren Patienten raten, die Antiepileptika nach zwei anfallsfreien Jahren abzusetzen. Andere wiederum halten es für besser, vier oder fünf Jahre mit dem Absetzen zu warten. Was Sie jedoch auf alle Fälle beachten sollten: setzen Sie das Medikament in keinem Fall selbstständig ab. Es darf nur auf ärztlichen Rat hin und unter ärztlicher Überwachung erfolgen.

Epilepsiemedikamente müssen so lange genommen werden, wie sie vom Arzt verordnet werden. Sie sollten auch Ihren Arzt oder Apotheker vorher fragen, was Sie tun sollen, wenn Sie eine Einnahme ausgelassen haben. Das Absetzen der Medikation ohne ärztlichen Rat ist ein sehr häufiger Grund, warum bei Menschen, die anfallsfrei waren, wieder Anfälle auftreten.

Anfälle, die nach plötzlichem Absetzen der Medikamente auftreten, können sehr schwer sein und sogar zum Status epilepticus führen. Außerdem können nicht-kontrollierte Anfälle Veränderungen in den Nervenzellen auslösen und die Anfallsbehandlung insgesamt erschweren. Soll das Antiepileptikum abgesetzt werden, erfolgt dies über einen längeren Zeitraum mit einer schrittweisen Reduzierung.

Operative Methoden

Bei bestimmten Anfallsarten, die sich mit Medikamenten nicht ausreichend kontrollieren lassen, kann ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Ob jemand von einer Operation profitiert, hängt von der Hirnregion ab, die betroffen ist und wie wichtig diese Region für das Verhalten im Alltag ist.

Vor der Operation wird der Herd (= Bereich) im Gehirn, von dem die Anfälle ausgehen, bestimmt. Drei Epilepsieformen können erfolgreich chirurgisch behandelt werden. Dazu gehören lokalisationsbezogene Anfälle, Anfälle, die zunächst als lokalisationsbezogene Anfälle beginnen, bevor sie sich auf das übrige Gehirn ausbreiten (sekundär generalisierte Anfälle) und die Rasmussen-Enzephalitis im Kindesalter. Gehen die Anfälle auf einen Hirntumor, eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Gehirn (Wasserkopf oder Hydrocephalus) oder auf andere Erkrankungen zurück, die sich chirurgisch behandeln lassen, werden unter Umständen diese Grundkrankheiten zuerst operiert und damit oft die Anfälle unterbunden.

Man unterscheidet zwei Arten von Operationen, die bei der Epilepsie durchgeführt werden:
  1. die resektive Methode (andere Bezeichnungen: kurativ; Fokus-Resektion): dabei wird das Gehirnareal entfernt, das die Anfälle erzeugt.
  2. die palliative Methode (andere Bezeichnung: Diskonnektion): hier werden bestimmte Nervenbahnen durchtrennt, um ein Ausbreiten der Anfallsaktivität zu verhindern.

Auch eine Kombination von Resektion und Diskonnektion wird angewendet.

Wichtige Operationen sind:

Operation zur Entfernung eines Anfallsherds: Die häufigste Operation bei der Epilepsie ist die sogenannte Lobektomie; sie kommt bei lokalisationsbezogenen Anfällen in Frage, die nur in einer Hirnregion entstehen. Die häufigste Lobektomie ist die Entfernung des Schläfenlappens bei der Temporallappenepilepsie.

Hemisphärektomie: Die Hemisphärektomie ist ein Eingriff, bei dem man eine Hälfte der Hirnrinde entfernt. Diese Form der Operation wird nur bei Kindern mit Rasmussen-Enzephalitis oder einer anderen schweren Schädigung einer Gehirnhälfte durchgeführt. Obwohl dies eine sehr radikale Operation ist und nur als letztes Mittel gewählt wird, erholen sich die Kinder oft sehr gut von dem Eingriff und die Anfälle sind sehr viel seltener oder hören ganz auf. Wird eine intensive Rehabilitation durchgeführt, können sie fast normale Fähigkeiten erlangen.

Multiple subpiale Transsektion: Diese palliative Operationsmethode wird bei Anfällen durchgeführt, die in einer nicht entfernbaren Hirnregion entsteht. Es werden einige Einschnitte gemacht, damit die Anfälle sich nicht in andere Teile des Gehirns ausbreiten können, während die normalen Fähigkeiten des Betroffenen erhalten bleiben.

Kallotomie: Hier werden Nervenverbindungen zwischen rechter und linker Gehirnhälfte (Hemisphäre) durchtrennt. Sie wird vor allem bei Kindern mit schweren Anfällen durchgeführt, die in einer Gehirnhälfte beginnen und sich auf die andere Seite ausbreiten.

Vagusnervstimulation

Bei Patienten, die mit Medikamenten nicht gut einstellbar sind oder die eine schwere Form der Epilepsie haben, kann ein Vagusnervstimulator Verbesserungen bringen.

Der Vagusnervstimulator ist ein batteriebetriebenes kleines Gerät, das ähnlich wie ein Herzschrittmacher in einer Operation unter Vollnarkose unter die Brusthaut implantiert wird. Der Stimulator wird dann mit dem Vagusnerv (der 10. Gehirnnerv) im unteren Halsbereich verbunden. Die Impulse (Stromstöße), die das Gerät aussendet, werden an das Gehirn weitergeleitet und verändern im Gehirn die Aktivität der Nervenzellen. Die Impulse erfolgen in regelmäßigen Abständen von z.B. 30 Sekunden mit einer Pause von 5 Minuten.

In den ersten Wochen nach der Operation wird die Stromstärke nach und nach erhöht bis eine für den Patienten optimale Einstellung gefunden wurde. Diese Einstellung erfolgt ambulant über einen Sender, der dem Patienten auf die Brust an die Stelle des implantierten Stimulators gelegt wird. Im Durchschnitt werden die Anfälle durch diese Stimulation um ungefähr 20 bis 40 Prozent reduziert.

Die Patienten können trotz des Stimulators meist nicht auf Epilepsiemedikamente verzichten, aber sie haben oft weniger Anfälle, die einzelnen Anfälle sind weniger stark oder sie haben mehr anfallsfreie Tage in Folge. Viele können ihre Medikamentendosis auch reduzieren. Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen kann eine Anfallsfreiheit erzielt werden.

Als Nebenwirkungen werden z.B. Heiserkeit, eine Veränderung der Stimmhöhe, Kribbelgefühl im Halsbereich, Husten, Schluckbeschwerden, Brust- oder Herzschmerzen, Atemprobleme, Kehlkopfdruck und Gewichtsabnahme berichtet.

Leider lässt sich der Erfolg einer Vagusnervstimulation nicht vorhersagen. Zudem dauert es eine Weile, bis sich die maximale Wirksamkeit einstellt.

Spezielle Ernährungsform: Ketogene Diät

Bei einigen Kindern können Anfälle reduziert werden, wenn eine ketogene Diät eingehalten wird.

Das Prinzip besteht dabei, dass die Patienten ihren Energiebedarf hauptsächlich aus Fetten (Fleisch, Öle, Butter, Fette, Fisch) zu sich nehmen. Alle kohlenhydratreichen Lebensmittel wie Getreideprodukte (z.B. Brot, Reis, Nudeln), Zucker aber auch Gemüse und Obst werden dagegen drastisch eingeschränkt.

Der Körper ist so gezwungen, anstelle von dem sonst üblichen Zucker, den Energiebedarf des Gehirns über die so genannten Ketonkörper zu decken. Diese Diätform fordert viel Disziplin, da nur eine begrenzte Auswahl an Lebensmitteln zur Verfügung steht. Auch ist die Gefahr für einen Nährstoffmangel sehr hoch. Es wird deshalb empfohlen, die ketogene Diät während einer Behandlung in einem Krankenhaus zu beginnen.

Dabei beginnt man mit einer Fastenphase von 2-5 Tagen, wobei darauf zu achten ist, dass ausreichend getrunken wird. Sind im Urin die Ketonkörper nachzuweisen, beginnt die spezielle Ernährung. Bei richtiger Durchführung profitieren etwa ein Drittel aller Patienten mit Epilepsien von einer ketogenen Diät. Um den Therapieerfolg aufrechtzuerhalten, sollte diese Diätform über mehre Jahre durchgeführt werden.

Um sich Anregungen zu holen, werden im Buchhandel Rezeptbücher angeboten oder Sie wenden sich an die Diätassisten-ten/innen in Kinderkrankenhäusern. Es werden mittlerweile sogar Brote angeboten, die auf der Basis von Sonnenblumenkernen gebacken werden und so nur einen Bruchteil des Kohlenhydratanteils von herkömmlichen Brotsorten enthalten.

Die ketogene Diät sollte in keinem Fall abrupt abgebrochen werden. Hier ist das Risiko für einen Anfall groß.

Andere Behandlungsmöglichkeiten

Biofeedback
Biofeedback ist eine Methode zur Wahrnehmung und Kontrolle von üblicherweise unbewusst ablaufender Körperfunktionen mit technischen (meist elektronischen) Hilfsmitteln. In Studien wird aktuell versucht zu klären, ob sie zur Anfallskontrolle nützlich sein kann. Bisherige Ergebnisse waren eher enttäuschend und so ist die Therapieform umstritten.

Einsatz von Vitaminen
Ob der Einsatz von Vitaminen zur Anfallskontrolle oder zur Milderung von Nebenwirkungen geeignet ist, die bei der Einnahme von Antikonvulsiva auftreten können, ist nicht geklärt. Insgesamt liegen nur Studien mit meist geringen Fallzahlen vor oder sie sind in ihrer methodischen Durchführung mangelhaft. Es ist somit nicht möglich, verlässliche Aussagen über den Vorteil einzelner Vitamine zu machen. Die Einnahme hoher Vitamindosen kann in manchen Fällen sogar eher schädlich sein.

Aber eine gute Ernährung und die Einnahme von Folsäure bei Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren können Geburtsdefekte und arzneibedingte Nährstoffmangelzustände verringern.

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